The shape of water - Das Flüstern des Wassers (Filmstart: 15. 2. 2018)

Quelle: Facebook Gruppe: Sneak Preview UCI Duisburg
Quelle: Facebook Gruppe: Sneak Preview UCI Duisburg

Schon lange bevor „The shape of water – Das Flüstern des Wassers“ bei uns in die Kinos kommt, hört man von der Flut von Nominierungen und Auszeichnungen, mit denen der neue Film von Regisseur Guillermo del Toro (Pan’s Labyrinth, Pacific Rim, Crimson Peak u. v. a.) derzeit überschüttet wird.  Auch die Kritiken sind größtenteils gut bis überschwänglich. Man hört Vergleiche zu Filmen wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Die Schöne und das Biest“ oder „E. T. – Der Außerirdische“ neben den naheliegenden Bezügen zu den früheren Werken des Regisseurs. Solche Vorschusslorbeeren könnten sich schnell als negativ erweisen, da die Erwartungen immens hochgeschraubt werden. Aber interessant ist es allemal, wenn man so einen Film einen Monat vor dem deutschen Kinostart in einer Sneak Preview zu Gesicht bekommt.

 

Ende der 1950er Jahre arbeitet die stumme Elisa (Sally Hawkins) als Putzfrau in einem Hochsicherheitslabor der US-amerikanischen Regierung. Ihr Alltag ist routiniert. Sie schläft jeden Tag auf einem alten Sofa, steht morgens auf, masturbiert in der Badewanne, kocht Eier, hört während der Arbeit ihrer Kollegin Zelda zu, wie sie sich über ihren Alltag auslässt, und geht abends zu ihrem Nachbarn und besten Freund Giles, einem alten, homosexuellen Zeichner von Werbetafeln. Eines Tages wird im Labor in einem Wassertank ein streng geheimes „Projekt“ angeliefert, dass sich als ein Amphibien-Mensch-Hybrid herausstellt. Elisa bekommt mit, wie der Sicherheitschef Strickland dieses Wesen regelmäßig foltert und bringt ihm aus Mitleid jeden Tag Eier, spielt ihm Musik vor und lehrt ihm ihre Zeichensprache. Eine Liebesbeziehung entspinnt sich zwischen den beiden. Doch sowohl der amerikanische als auch der russische Geheimdienst wollen es töten und so sieht sich Elisa gezwungen zusammen mit ihrem Freund Giles die Befreiung ihrer geliebten Kreatur zu planen.

 

Definitiv wohnt diesem Film ein ganz bestimmter Zauber inne, eine Atmosphäre, der man sich schwer entziehen kann, es sei denn, man kann mit solchen Geschichten überhaupt nichts anfangen. Dieser zunächst etwas seltsam anmutenden Mischung von Vergleichen zu „Amélie“ und „E. T.“ würde ich sogar noch einen kleinen Schuss Tarantino hinzufügen, zumindest wenn es um plötzliche Szenen von Gewalt und Grausamkeit geht, die den Zuschauer mehr als einmal aus der träumerischen Melancholie der Liebesgeschichte reißen. Selbst der Humor kommt in einigen Szenen nicht zu kurz. Dass all diese Komponenten tatsächlich in einen einzigen Film passen, der dennoch nichts an Homogenität einbüßt, ist sicher schon für sich eine Leistung aller Beteiligten. Hinzu kommt diese bemerkenswerte Identifikationskraft der stummen Hauptfigur Elisa, die lange Zeit, genau wie der Zuschauer, dem Geschehen nur folgen kann, bis sie schließlich beginnt zu agieren. Sorgsam wird ihre aufkeimende Liebe zu dem Amphibien-Menschen vorbereitet, denn sie scheint in all ihrer Schüchternheit dennoch ihrer Umwelt nahezu vorurteilsfrei zu begegnen. Ohne Ekel sammelt sie die beiden Finger des Sicherheitschefs beim Saubermachen auf, die die Kreatur ihm vorher in einem Kampf abgerissen hat. Sie zeigt von Anfang an nicht die geringsten Berührungsängste vor der schuppigen Haut, den Fischaugen oder den sich stets aufblähenden Kiemen an seinem Hals. Und es sind auch nicht irgendwelche idealistischen Prinzipien, die sie schließlich dazu bewegen, alles für seine Befreiung zu riskieren, sondern einfach nur die Liebe zu einem Wesen, dem sie sich wie keinem anderen auf der Welt verbunden fühlt.

 

Ich würde nicht so weit gehen, den Film als genial zu bezeichnen. Aber mit all diesen Merkmalen ist er doch ein besonderes Erlebnis, das sich wegen seiner Bildkraft besonders im Kino lohnt. „Das Flüstern des Wassers“ reiht sich auch insofern nicht in die zuweilen sehr dämlichen deutschen Filmuntertitel ein, als dass er den Grundton des Films gut beschreibt, der allerdings stets durch bizarre, grausame, anstößige oder auch subtil zeitkritische Szenen unterhaltsam durchbrochen wird. So wird das Kino für zwei Stunden tatsächlich wieder einmal zur sprichwörtlichen „Traumfabrik“. (gepostet: 18.1.2018)