Star Wars - Der Aufstieg Skywalkers (Filmstart: 18.12.2019)

www.filmstarts.de
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Es ist also getan, die Saga ist vollendet. Zumindest wenn man dem Trailer von „Star Wars Episode 9 – Der Aufstieg Skywalkers“ glauben schenken will. Während ich im Verlauf dieses Jahres in den Trailershows immer wieder neue Schnipsel dieses Kino-Events geboten bekam, hatte ich mehr als einmal das Gefühl, dass die Spannung und Euphorie um den insgesamt 11. Kinofilm der Saga weniger von den Fans als vielmehr von den Machern erzeugt wurde. Irgendwie hatte Episode 7 vor ein paar Jahren einen sehr großen Wirbel erzeugt, das Spin-Off „Rogue 1“ ebenso, aber schon bei Episode 8 und erst Recht bei Solo teilte sich so ein wenig die Gemeinde in Begeisterung und Ernüchterung. Während ich bei Solo der allgemeinen Enttäuschung nicht zustimmen konnte, da ich ihn sehr gut fand, hinterließ Episode 8 bei mir eher Begeisterung unter Vorbehalt. Ich fand ihn gut, aber die Gewichtung lag für mich dann doch sehr stark auf den alten Helden, so dass ich mir dachte, im letzten Teil muss eben auch etwas Neues kommen. Denn die neuen Helden gefielen mir und ich wollte mehr über sie wissen. Dieser Informationsdurst sollte dann schon in „Episode 9“ nachhaltig gestillt werden. Erst dann, so dachte ich mir, könnte man über die komplette Dritte Reihe (Episode 7-9) ein wirkliches Urteil fällen. Und ich gebe zu, dass ich mich mehr als einmal gefragt habe, wie man eine solche Saga in „nur“ einem Film zu Ende bringen will. Gestern durfte ich es endlich sehen.

 

Wie beschreibe ich also meine Eindrücke, ohne zu spoilern? Robert Hofmann benutzt in seiner Kritik sehr häufig den Begriff „Fan Service“, womit er meint, dass die Macher seiner Ansicht nach zu sehr auf Nummer sicher gehen und zu wenig Mut zeigen, die Story auf ein neues Level zu führen. An dieser Meinung kann ich mich durchaus orientieren, wenn es um meine persönlichen Eindrücke zu diesem Film geht. Worum geht es?

 

Nachdem die Rebellen gegen die Erste Ordnung am Ende von „Episode 8“ eine verheerende Niederlage erlitten haben und nur knapp entkommen sind, hat Kylo Ren (Adam Driver) nur zwei Ziele: Die Galaxis zu regieren und die Widerstandskämpferin Rey (Daisy Ridley) auf seine Seite zu ziehen. Er erhält unverhofft mächtige Hilfe, was den Rebellen allerdings nicht verborgen bleibt. Nur 16 Stunden bleiben ihnen Zeit, um das Zentrum der neuen dunklen Macht zu finden und zu zerstören.

 

Soviel dazu. Mehr kann man ohne zu spoilern nicht sagen, denn gerade der epische und durchaus beeindruckende Beginn des Films bietet schon eine Überraschung. Das große Rätsel um die Herkunft von Rey wird ebenfalls etwas später gelöst und damit ist das Setting für den großen Zweikampf zwischen ihr und Kylo Ren gesetzt. Die interessanten Wendungen in „Episode 8“, in der Kylo die Jedi-Kämpferin rettet und sich dennoch nicht auf ihre Seite schlägt, werden in diesem Film programmatisch für ihr Verhältnis. Dies ist ein Hauptthema der Handlung, das sich von Anfang bis Ende durchzieht.

 

Daneben gibt es natürlich noch die Rebellen Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (Jon Boyega), Chewbacca und C3PO, die, mal mit, mal ohne Rey, den Sturz der Ersten Ordnung vorantreiben. Viele liebgewonnenen Star-Wars-Besonderheiten tauchen außerdem auf, skurrile Städte, Feste und Wesen, teils bekannt, teils neu, ein wenig Witz, gerade in der ersten Hälfte des Films und natürlich jede Menge Herausforderungen, Jagden, die keinen Zweifel daran lassen, dass man sich gerade einen Star-Wars-Film ansieht. Das macht durchaus sehr viel Spaß.

 

Zudem sind gerade die Orte und die Kulissen innerhalb des Films ein Highlight, liebevoll detailliert, beeindruckend, geradezu bombastisch teilweise bieten sie einen tollen Hintergrund für Dialoge, Kämpfe und alles, was die Saga so ausmacht. Das ist der erste Aspekt, den Hofmann wohl mit „Fan-Service“ meint und das ist großartig und sehr unterhaltsam, besonders in 3D. Das sind alles für mich sehr positive Elemente des Films, die mich beeindruckten und die mich auch mit einem sehr guten Gefühl den Kinosaal verlassen ließen. Er ist tatsächlich das Kinoerlebnis geworden, das ich mir erhofft hatte.

 

Aber im Nachklang gab es durchaus auch ein paar einschränkende Eindrücke. Mich beschlich nämlich das Gefühl, als ich über die Geschichte noch einmal nachdachte, dass die Macher tatsächlich eher auf Etabliertes gesetzt haben, als sich zu neuen Ufern zu wagen. Im Ansatz erinnert die Handlung sehr an die alten Filme, die große Aufgabe, die ultimative Waffe der Ersten Ordnung zu zerstören, war auch schon in der allerersten „Episode 4“ grundlegend, unabhängig vom Ausgang dieses Films. Was mich allerdings noch mehr zwickte, war mein Gefühl, dass sich die neuen Helden nicht wirklich von den alten emanzipieren konnten. Es mag zu dem Jedi-Orden passen, wenn der auch im Trailer schon erwähnte Satz „1000 Generationen leben in Dir weiter“ Rey als Leitmotiv ihres Handelns mitgegeben werden, wirkt aber im Film selbst auch irgendwie konservativ, etwas muffig und altbacken.

 

Dies ist das andere, was Hofmann mit „Fan-Service“ meint. Die Antwort auf die Frage, ob man die neuen Figuren im Rahmen eines einzelnen Films komplett auserzählen kann, habe ich für mich mit „Nein“ beantwortet. Sie funktionieren als ein Teil der übermächtigen Skywalkers und ihres Clans, kommen alleine nicht unbedingt zurecht und das Sich Einfügen in diese Tradition ist letztlich auch oft die Lösung einer problematischen Situation. Niemand wird vom Sockel gestoßen, nicht einmal von den Nachfolgern übertroffen. Den alten Helden wird gehuldigt. Sie sind die Götter und neuen die Priester und Bewahrer.

 

 

Somit dürfte sich das Urteil innerhalb dieser riesigen Fangemeinschaft auch danach richten, wes Geistes Kind der Einzelne ist, oder besser gesagt: Ob er diesen Film als einen würdigen Abschluss der dritten Episodenreihe empfindet. In gewisser Hinsicht ist er das durchaus, ein großer Kinospaß obendrein, also von einer Enttäuschung möchte ich wahrlich nicht sprechen. Aber ich mochte die neuen Helden und habe ein wenig das Gefühl, dass ihr Potential in den drei Filmen ein wenig auf dem Altar der Skywalkers geopfert wurde. Dennoch bleibt als Fazit: Wer sich dieses Kinoereignis entgehen lässt, ist selbst schuld. Wenn man diesen Film nicht im Kino sehen sollte, welchen dann? (gepostet: 19.12.2019)