The witch next door (Start: 13.8.2020)

Dass Teenager, die gerade umgezogen sind, besonders anfällig für übernatürliche Phänomene sind, dürfte jedem geübten Horror-Fan bekannt sein. Meistens ziehen sie in kleinere Ortschaften, haben Probleme mit ihren Eltern und sich selbst und beobachten gerne die Nachbarn, bei denen irgendetwas Komisches passiert. Dass Roald Dahl die lose Vorlage für diesen Film lieferte, könnte man als Besonderheit hervorheben. Darüber hinaus machen Plakat, Titel und Trailer den Eindruck eines konventionellen Horrorfilms und mit genau diesen Erwartungen ging ich in den Kinosaal.

 

Der Teenager Ben (John Paul Howard) soll nach der Scheidung seiner Eltern den Sommer bei seinem Vater (Jamison Jones) verbringen. Der leitet eine Marina in einem kleinen Küstenort und will seinem rebellischen Sohn mit Liebe und Arbeit auf den Pfad der Tugend führen. Eigentlich geht alles ganz gut los. Zwar wird er von den versnobten Yupis im Ort gemobbt, dafür verliebt sich die süße Mallory (Piper Curda) in ihn, die ebenfalls für ihren Vater arbeitet. Eine erste Annährung auf einer Party vergeigt er und versaut damit außerdem ein Essen mit seiner neuen Stiefmutter Sara (Azie Tesfai). Seine Aufmerksamkeit allerdings gilt der neuen Nachbarin (Zarah Mahler) und ihrem Mann, die nachts von einer unheimlichen Gestalt heimgesucht wird und sich daraufhin merkwürdig verhält. Da ihm natürlich keiner glaubt, macht er sich selbst auf die Suche nach der Lösung und stößt dabei auf eine grauenvolle, uralte Legende.

 

Es gibt diese zwei Sorten von Horrorfilmen, jene die mit Jump-Scares in einer Tour zu erschrecken versuchen und jene, die mittels einer unheimlichen Atmosphäre den Zuschauer meist in Spannung versetzen wollen und außerdem so etwas wie einen tiefgründigeren Sinn haben. Dieser Film wandelt so ein wenig zwischen diesen Welten. Mit (wie man nachlesen kann) handgemachten Effekten, die allerdings nicht außerordentlich spektakulär sind, wird dem Zuschauer die Bedrohung durch ein altes Fabelwesen nahe gebracht, wenig Erschrecken, es wird mehr auf Spannung gesetzt. An und für sich geht das auch so in Ordnung, für meine Begriffe steckt das Problem des Films eher in der Handlung selbst. Denn die emotionalen Facetten dieses Coming-of-Age-Horrors verharren in Andeutungen, bleiben Beiwerk, was man vor allem an den wenig ausgeklügelten Charakteren erkennen kann. Die schauspielerische Leistung ist zwar solide, aber weder die Scheidung der Eltern, noch die sonstigen persönlichen Probleme des Protagonisten haben einen großartigen Effekt auf die Handlung. Ein paar nette Twists gegen Ende sorgen dafür, dass man nicht total enttäuscht aus dem Kinosaal geht, aber so ein richtiges Thema des Films bleibt auch nicht hängen.

 

Insofern ist „The witch next door“ für mich ein typischer Fall von: Hätte besser werden können. Wer die Kinoatmosphäre nicht ganz so abgöttisch liebt wie ich, kann ihn sich wohl besser streamen und sich selbst ein Urteil bilden. Ganz gute Ansätze in der Idee, aber die Handlung hätte ausgereifter sein können, da alles, was den Film auszeichnet, eigentlich in diesen Ansätzen verhaftet bleibt. Besonders gruselig fand ich ihn darüber hinaus auch nicht. Wer mal so einen richtigen Nachbarschaftsstreit erlebt hat, würde diese Nachbarn wohl sogar liebend gerne gegen die „witch next door“ eintauschen. (gepostet: 29.8.20)