1996-2019: The Road to

Schon häufiger betonte ich, dass das Buch Heaven 11 für mich irgendwo zwischen Herzensangelegenheit und Lebenswerk steht. Die Umstände, wie es dazu kam, möchte ich im Vorfeld der Veröffentlichung ein wenig erhellen, auch damit der eine oder andere Leser vielleicht den wirklichen Bezug zwischen dieser Geschichte und meiner Biografie erkennt. Es gibt verschiedene Etappen und Stationen, die bis zur Veröffentlichung notwendig waren. Heute will ich die erste und bis März dann den Rest erzählen.

 

April 1996: Einberufung, Verweigerung und eine Eingebung

Schon während meines Abiturs musste ich mich, wie jeder zu dieser Zeit, mit der Frage auseinandersetzen, wo ich meinen Zivildienst machen würde. Dem Schreiben des Kreiswehrersatzamtes, dass ich in die Bundeswehr eingezogen werden würde, folgte die obligatorische Untersuchung bei der Musterung, ein kurzes Gespräch, ein Brief, in dem ich die Kriegstreiberei des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg kritisierte und der Bescheid, dass sie mich nicht brauchten. Soweit, so gut. Aber wohin dann?

 

Ich rief in den beiden Krankenhäusern an, die mir in Krefeld bekannt waren, weil ich dort schon einmal gelegen hatte. Beide vertrösteten mich, ich solle mich später noch einmal melden. Dann fiel mir ein, dass ein Freund von mir von seinem Zivildienst in der geschlossenen Psychiatrie erzählte. Ich fand das irgendwie skurril, nahezu unvorstellbar, suchte aber die Nummer des Hauses heraus und rief an. Sie sagten, ich solle am nächsten Tag vorbeikommen. Plötzlich realisierte ich es: Ich würde vielleicht in der geschlossenen Psychiatrie arbeiten, einem Ort, den niemand so wirklich kennt, der aber jeden irgendwie fasziniert. Mein mäßiges Abitur, mein permanentes Gefühl, bislang im Leben nie wirklich etwas Besonderes gemacht zu haben, wich auch einmal dieser Idee. Eine bislang unbekannte Begeisterung packte mich.

 

Am nächsten Tag hatte ich in diesem Krankenhaus das, was ich als ein Vorstellungsgespräch erwartet habe. Doch das war es nicht. Ich hatte gerade Platz genommen, da stellte mir der Pflegedienstleiter die erste und einzige Frage: „Wo möchten Sie denn arbeiten? Offene oder geschlossene Station?“ Ich war total perplex, aber das erste, was mir in den Sinn kam war: Natürlich geschlossene, offene ist ja wohl gar nicht spannend! Also sagte ich ihm das und er führte mich sofort auf die Station, die später meine Arbeitsstelle werden würde.

 

Das Abitur habe ich dann mit Ach und Krach geschafft, die Schulzeit insgesamt erscheint mir als eine einzige Qual und Demütigung, besonders die Oberstufe. Ich wusste danach nicht, wer ich war oder was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Zwischenzeitlich hatte ich eine regelrechte Depression im permanenten Nichtstun zwischen Abitur und Zivildienst. Selbst meine Eltern bemerkten das, ließen mich aber, denn sie haben mich immer darin unterstützt, meinen eigenen Weg zu gehen, wofür ich ihnen bis heute unendlich dankbar bin. Das einzige, was mir damals wirklich Hoffnung gab: Ich würde im September meine Stelle als Zivi antreten und das in der geschlossenen Psychiatrie. Es gab in meinem Kopf so wenig Vorstellung von diesem Ort und dieser Arbeit, das ich nicht einmal nervös war, bis zum Abend, bevor alles begann …